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Dem Leben vertrauen: Warum kein Plan manchmal der beste Plan ist

Es war der erste Januar 2018. Als mein Flugzeug im verregneten London landete hatte ich nur eine grobe Vorstellung davon, wie meine “Auszeit” in England aussehen sollte. Alleine verreisen war für mich lange Zeit ein Traum gewesen, den ich mich nie getraut hatte, tatsächlich zu erfüllen. Aber letztes Jahr hatte ich ein paar radikale Entscheidungen getroffen. 

Ich hatte meinen Job gekündigt, mich von meinem Freund getrennt, unsere gemeinsame Wohnung aufgeben und beschlossen, erst einmal für ein paar Monate alleine nach England zu gehen, um dort ein bisschen herumzureisen.

War das verrückt? Nun ja, zumindest dachten das einige Menschen in meinem Umfeld. Wie kann man sein schön aufgebautes Leben nur einfach so wegwerfen und alles ändern? Wie kann man so ein großes Risiko eingehen und seinen Job kündigen, um sich selbstständig zu machen? Wie kann man eine Beziehung nach sechs Jahren einfach so beenden, obwohl doch scheinbar alles so gut lief? 

Ich konnte verstehen, dass mein Umfeld mich nicht verstand. Aber ich selber verstand mich so gut wie nie zuvor. Ich wollte kein klassisches Leben. Ich wollte keinen nine-to-five Job und ich wollte nicht in meinem Schneckenhaus bleiben. Ich wollte mehr.

Was genau das bedeuten sollte? Ich wusste es nicht. Aber ich wusste, dass ich erst einmal weg musste. In ein anderes Land, eine andere Kultur, unter andere Menschen, die ich noch nicht kannte.

 

Ungeschriebene Geschichten

 

Als ich also am ersten Tag des neuen Jahres in London landete, hatte ich so gut wie keinen Plan. Immerhin wusste ich, wo ich die ersten zwei Wochen Housesitting machen würde. Was danach passieren würde, musst jedoch erst noch geschrieben werden. 

Früher hätte mir so etwas furchtbare Angst gemacht. Und diese Angst hätte mich wahrscheinlich davon abgehalten, so etwas zu tun.

Aber als das Flugzeug an diesem Tag mit einem heftigen Ruck auf der Landebahn aufkam, hatte ich keine Angst. Das was ich spürte war Aufregung. Aber nicht die Sorte Aufregung, die einen nervös und unruhig werden lässt. Nein, es war eher die Sorte Aufregung, die man als Kind gespürt hat, wenn man etwas neues entdecken durfte.

Es war eine von Neugierde ausgelöste Aufregung. Ein bisschen Angst war natürlich trotzdem dabei. Aber Angst kann ein guter Begleiter sein, solange man sich nicht von ihr führen lässt. 

 

Die Angst vor dem Unbekannten

 

Warum haben wir so eine große Angst vor dem Unbekannten? Warum brauchen wir so oft Pläne, um uns sicher zu fühlen? Ich glaube, wir vertrauen dem Leben einfach nicht genug. Wir brauchen das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben, weil wir Angst davor haben, die Kontrolle abzugeben.

Wir wollen selbstbestimmt sein, wir wollen unsere eigenen Entscheidungen treffen. Aber tun wir das, wenn wir uns an strikte Pläne halten?

Vergessen wir dabei nicht, dass wir heute nicht mehr derselbe Mensch sind, wie an dem Tag, an dem wir unseren Plan schmiedeten?

Versteh mich nicht falsch, Pläne sind toll! Sie geben uns ein Ziel, eine Richtung und das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Aber oft nehmen wir uns mit unseren Plänen die Freiheit, uns in jeder Minute, in jeder Sekunde für das zu entscheiden, was wir jetzt gerade wollen.

Woher sollen wir denn heute wissen, was wir morgen brauchen?

 

Das Leben steht hinter dir

 

Meine Zeit in England hat mir gezeigt, dass ich dem Leben vertrauen kann. Denn sobald ich losgelassen habe und mich vom Fluss des Lebens treiben lies merkte ich, dass ich gar nicht untergehe. Sobald ich mir selbst die Freiheit schenkte, mich jederzeit anders entscheiden zu dürfen, realisierte ich, dass das Leben jetzt stattfindet.

Nicht erst dann, wenn ich ein Ziel erreicht habe. Nicht erst dann, wenn ich genau weiß, was ich möchte. Nein. Das was wirklich zählt ist zu wissen, was ich jetzt – in diesem Augenblick – wirklich möchte.

Denn was passierte, als ich begann dem Leben zu vertrauen? Plötzlich war ich ständig zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Plötzlich traf ich die richtigen Leute, die perfekt zu mir passten. Plötzlich wusste ich an den meisten Tagen gar nicht mehr, welcher Tag überhaupt war.

Und es war egal. Denn jeder Tag war wertvoll. Nicht nur das Wochenende. 

Hätte ich dieselben Dinge erlebt, dieselben Menschen getroffen und dieselben Erfahrungen gemacht, wenn ich einen Plan gehabt hätte? Sicher nicht. Wäre meine Zeit in England deshalb schlechter gewesen? Ich weiß es nicht.

Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Alles was ich weiß ist, dass ich dankbar dafür bin, diese Entscheidungen getroffen zu haben. Denn hätte ich mich nicht in das Unbekannte gewagt, hätte ich niemals erfahren wie es sich anfühlt, sich vom Leben tragen zu lassen. 

Man braucht nicht unbedingt immer einen Plan. Manchmal ist eben der beste Plan, keinen Plan zu haben.

Und manchmal ist es gerade die Abwesenheit eines Plans, die uns die größte Freiheit schenkt und alles möglich macht.

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Marina  ♥

 

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2 Comments

  • Reply Johanna

    Sooo schön geschrieben. Ich liebe deine Aet und Weise zu schreiben! ♥️ Danke für deine Offenheit!

    19. Juli 2018 at 19:06
    • Reply Marina

      Vielen Dank Johanna. Das freut mich total! 😀

      19. Juli 2018 at 19:07

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