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Vergiss mein nicht

“Lass los”, sagen sie. “Vergiss es. Die Vergangenheit ist vergangen.” Und sie sagen es so, als hätte die Vergangenheit keinen Wert mehr. Keinen Effekt auf meine Gegenwart. Als wäre es so einfach, zu vergessen. Als wäre es besser, alles hinter sich zu lassen. Weil Erinnerungen uns nicht weiterbringen. Weil sie uns an einem Ort einsperren, den es nicht mehr gibt. In einer Zeit, die schon lange vorbei ist. 

Ich habe versucht ihren Rat zu folgen. Habe versucht loszulassen, Erinnerungen hinter mir zu lassen, Erinnerungen wegzuschmeißen. Schöne Erinnerungen. Weil ich Angst hatte, dass sie mich traurig machen. Traurig, weil die Dinge jetzt anders sind. Anders, als damals.

Von weit weg aus betrachtet sieht alles so viel schöner aus. Man kann die Mängel nicht erkennen, sieht die kleinen Fehler nicht. Es sieht so perfekt aus. Eine perfekte Erinnerung. Und manchmal wünsche ich mir, es wäre wieder genauso, wie damals.

Doch ich weiß, dass es nie wieder so ein wird. Und ich weiß auch, dass es gut so ist, wie es jetzt ist. Weil die Erinnerung in Wirklichkeit nicht so perfekt war, wie ich sie jetzt sehe. Weil ich damals etwas anderes sehen wollte. Es war meine Entscheidung. Und trotzdem tut es weh an Zeiten zu denken, die es nie wieder geben wird. Meinetwegen.

Loslassen. Vergessen. Muss ich diese Erinnerungen wirklich aufgeben? Ist es wirklich das Beste für mich, all die schönen Momente in einer Schublade zu verschließen, die ich nie wieder öffnen werde? Vielleicht ist es einfach nur der leichteste Weg. Denn wenn ich Erinnerungen vergesse können sie mich nicht traurig machen. Sie können mir nicht mehr wehtun. Und mit dem Vergessen der Erinnerung vergesse ich auch meine eigenen Schuldgefühle. Meine eigenen Fehler.

Vergessen. Ich will nicht vergessen. Ich bereue es nicht. Meine Vergangenheit ist ein Teil von mir. Sie wird immer ein Teil von mir bleiben. Auch wenn ich sie loslasse wird sie immer bei mir sein und das ist okay. Weil wir nicht wirklich vergessen. Weil wir immer in der Vergangenheit leben werden. Ein kleines bisschen.

Ich bewahre meine Erinnerungen an einem sicheren Ort auf. Er ist weder versteckt, noch schwer erreichbar. Weil ich nichts aus meinem Fotoalbum löschen möchte. Weil ich mich an alles erinnern will, egal wie schmerzhaft es ist. Denn auch wenn es mich traurig macht an bestimmte Dinge zu denken weiß ich, dass es eigentlich nicht so sein muss. Und dass ich irgendwann dankbar zurückschauen kann.

Zurückschauen, auf ein Leben voller bunter Erinnerungen. Auf Fehler, die ich gemacht habe. Auf Fehler, aus denen ich gelernt habe. Auf Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Auf Orte, die etwas in mir ausgelöst haben.

“Lass los”, sagen sie. Aber ich will nicht.

Werde nicht.

Erinnerungen. Ich lasse euch nicht gehen. Ich halte euch fest. Bewahre euch auf. Ihr seid wertvoll, auch wenn ich das nicht immer sehen kann. Meine Vergangenheit muss nicht sterben, damit ich leben kann. Ich muss nicht vergessen, um frei zu sein.

Erinnerungen. Ich laufe nicht mehr vor euch davon. Holt mich ein. Sperrt mich ein. Und spuckt mich wieder aus. Weil ihr mehr seid, als Bilder in meinem Kopf. Weil ihr Emotionen seid, die mich geprägt haben. Gefühle, die mich gelehrt haben. Erfahrungen, die mich verändert haben. Ihr steckt in jeder Faser meines Körpers.

Ich lasse euch nicht los. Ich trage euch bei mir.

Und nun weiß ich euch endlich zu schätzen. 

 

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Marina  ♥

 

 

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Gefallen dir meine Texte? Dann lies doch mal in die ersten Kapitel meines Romans “Weck mich auf!” rein.

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2 Comments

  • Reply Veronika Wolf

    Liebe Marina,
    genau so sehe ich das auch mit der Vergangenheit und den Erinnerungen. “Vergiss es, die Vergangenheit ist vergangen” halte ich auch nicht so für richtig, weil zwar zeitlich gesehen die Vergangenheit tatsächlich vergangen ist, aber für einen selbst wird es nie ganz vergangen sein. Das Vergangene lebt ja in uns weiter durch unsere Erinnerungen, mögen sie bewusst oder anders durch Bilder z. B. hervorgerufen sein. Und genau das ist es, was mich in unserer Selbstoptimierungsgesellschaft, der Persönlichkeitsentwicklung stört- “Lass los, lebe im Hier und Jetzt” Klar klingt das nett, aber muss ich denn immer im Hier und Jetzt leben? Was spricht dagegen, an positive sowie aber auch manchmal an negativen Erinnerungen (negatives in Maßen) zu denken? Wir leben dadurch ja nicht automatisch weder unglücklicher, noch schlechter. Wichtiger finde ich den bewussten Umgang mit Erinnerungen und Erfahrungen und dem Auseinandersetzen damit, selbst aus Negativem Stärke gewinnen zu können. Niemand kann das Vergangene loslassen, weil es ein Teil von uns ist, was ja dann mehr nach Verdrängung klingt. Selbst negative Erinnerungen und Erfahrungen müssen und dürfen unser Leben nicht bestimmen.
    Wieder mal ein guter und nachdenklicher Text!
    LG Veronika

    17. Februar 2019 at 12:23
    • Reply Marina

      Liebe Veronika,
      du sprichst mir aus der Seele! Ich sehe das absolut genauso und mich stört diese Haltung auch in der Persönlichkeitsentwicklung. Oft hat das nämlich viel mehr mit davonlaufen zu tun, als mit wirklicher Weiterentwicklung. So sehe ich das zumindest, weil es mir selber so gegangen ist.
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ganz liebe Grüße,
      Marina

      28. Februar 2019 at 21:40

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