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Schwarze Tinte auf weißem Papier

Schwarze Tinte tropft auf weißes Papier und hinterlässt hässliche Flecken. Flecken, die aussehen wie tiefe Löcher. Abgrund. Verloren in der Dunkelheit. Weißes, reines Papier voller Unschuld. Bekleckert mit düsterer Begierde. Ein Stift, wie eine Waffe. Eine Waffe ohne Munition.

Flüchtige Gedankenfetzen, die zu keiner Form gehören. Verwinkelte Ideen, die ich nicht greifen kann. Ich tappe ohne Taschenlampe durch die Dunkelheit meiner Psyche. Versuche mich zurechtzufinden, aber verlaufe mich in ihren Irrwegen.

Ein Labyrinth ohne Ausgang. Verloren in einer Gefangenschaft, die ich mir selber auferlegt habe. Eine Bürde, die ich freiwillig trage. Ausweglos aber nicht ohne Ausweg. Ich laufe gegen Mauern, die ich selber errichtet habe. Verzweifle an Hindernissen, die durch mich entstanden sind. Scheitere an Fallen, die ich mir selber stelle.

Ich nehme all meinen Mut zusammen. Setzte den Stift an. Lasse die Tinte auf das Papier bluten. Es saugt sich voll. Durstig. Dankbar. Und voller Erwartungen. Blut und Tinte vermischen sich und kreieren eine Flüssigkeit, die aus Hoffnung gemacht ist. Rote Hingabe und schwarze Leidenschaft.

Das Labyrinth verschiebt sich. Ein Windstoß wirbelt mich nach oben. Und plötzlich sehe ich den Ausgang. Er war die ganze Zeit da. Die Mauern aus Pappe. Die Hindernisse nur eine Illusion. Flüchtige Erscheinungen. Und dennoch real.

Meine Hand bewegt sich von alleine. Ich gebe die Kontrolle ab. Lasse Worte entstehen, die ich nicht sofort begreifen kann. Kreiere Sätze, deren Bedeutung ich zuvor nicht verstanden habe. Schreibe meine Seele leer. Lasse ihren Inhalt auf das Papier fließen. Solange, bis sie zufrieden ist.

Das Papier vollgesaugt mit Worten. Schwer und leicht zugleich. Schwarz-weiße Silhouetten, die sich in Bilder verwandeln. Bilder, die niemals gleich sind.

Schwarze Tinte tropft auf weißes Papier und hinterlässt bunte Fantasien. Fantasien, die den Verstand entführen. Fantasien, die jeder anders erlebt.

Weißes, beschmutztes Papier voller Träume. Bekleckert mit wachsamen Hirngespinsten.

Ein Stift, wie eine Waffe. Und Imagination als Munition.

 

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Marina  ♥

 

 

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Gefallen dir meine Texte? Dann schau doch mal in die Leseprobe meines Romans “Weck mich auf!” rein.

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4 Comments

  • Reply Andreas Fischer

    Ein wundervoller Text. Er lässt tief blicken und kommt mir gleichzeitig bekannt vor.

    5. Juli 2019 at 16:09
    • Reply Marina

      Vielen Dank lieber Andreas! 🙂

      6. Juli 2019 at 11:53
  • Reply Liz

    So schön geschrieben. Ich kann mich da sehr gut reinfühlen. Danke!

    6. Juli 2019 at 11:53
    • Reply Marina

      Danke für den lieben Kommentar. <3

      6. Juli 2019 at 11:55

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