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Schlaflos

Die Minuten vergehen und fühlen sich wie Stunden an. Stunden, in denen ich mich hin und her drehe. Schlaflos. Tausend Gedanken, die mich nicht in Ruhe lassen. Tausend Gedanken, die mich nicht gehen lassen. Sie halten mich fest, sperren mich ein. In eine Welt, die weder Realität noch Traum ist. Sondern irgendwas dazwischen.

„Lasst mich gehen!“, schreie ich sie an. Aber sie hören nicht auf mich, werden nur noch lauter. Ich versuche still zu halten, versuche mich schlafend zu stellen, um sie zu täuschen. Aber sie fallen nicht drauf rein. Die Zeit dehnt sich aus. Auf grausame Art und Weise. Und doch will ich nicht, dass sie vergeht. Diese Stunden sind zu wertvoll. Morgen werde ich sie vermissen.

Die Uhr lächelt mich höhnisch an. Ihre schwarzen Ziffern foltern mich. Ein weiterer verzweifelter Augenaufschlag. Eine weitere erschöpfte Minute. Schweißperlen auf meiner Stirn. Tiefpunkt in meinem Empfinden. Die Augenlider schwer und doch noch nicht geschlossen.

Vergeblich. Ich starre an die Decke. Schwarze Schatten huschen über die Wand. Geräusche, die mit einem Mal so laut erscheinen. Stoff an meiner Haut, der mich nervös werden lässt. Unruhe in meinem Inneren, die durch Gedanken aufgewirbelt wird. Kreisende Fiktionen. Halluzinationen.

Ich schließe meine Augen. Gebe auf. Versuche nicht mehr, mich dagegen zu wehren. Sehe ein, dass die Gedanken gewonnen haben. Denn das haben sie schon seit Stunden. Sie lassen mich nicht gehen, aber nun lasse ich sie los. Erlaube ihnen, meinen Geist zu besetzen. Gebe ihnen die Möglichkeit, sich ohne Widerstand zu bewegen. Ich kapituliere.

Verworrene Fantasien. Verschwommene Erinnerungen. Verwirrte Zukunftsvisionen. Sie stürmen in mein Bewusstsein. Erobern meinen Verstand. Unterwerfen meine Emotionen. Ich lasse es geschehen. Und dann – ziehen sie an mir vorbei. Einfach so. Ich merke es gar nicht. Bin auf einmal an einem anderen Ort. In einer anderen Zeit. In einer anderen Sphäre.

Tausend Gedanken, die verrauchen. Tausend Gedanken, die nicht mehr wichtig sind. Sie können mich nicht mehr halten. Die Realität verblasst. Und ich tauche ein in eine Welt, wie ein Abziehbild.

Eine Welt, in der meine Gedanken sich transformieren, deformieren, arrangieren und eine neue Wirklichkeit kreieren.

 

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Marina  ♥

 

 

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2 Comments

  • Reply Lydia

    Sooooo gut geschrieben! Mir geht es manchmal ganz genauso! Du hast es perfekt in Worte verfasst! 🙂

    29. Juni 2019 at 10:13
    • Reply Marina

      Vielen lieben Dank, das freut mich <3

      4. Juli 2019 at 15:51

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