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Fluch und Segen

Ist es Fluch oder Segen? Das, was mich zerstört, treibt mich gleichzeitig an. Das, was mir wehtut, inspiriert mich. Meine Kreativität wird aus meinen Ängsten geboren, aus meinen Wunden, meinem Kummer. Es ist der Wunsch etwas zu verändern, der eine leere Seite füllt. Der Drang, der Welt etwas mitzuteilen. Eine neue Sichtweise, eine neue Perspektive.

Ist es Segen oder Fluch? Ich mache mir zu viele Gedanken, analysiere, philosophiere. Beobachte meine Gedanken, um sie zu beurteilen, um sie zu verurteilen. Vielleicht ist es gar nicht so schwer, das Positive in Situationen zu erkennen. Vielleicht ist es so viel schwerer, sich das Negative einzugestehen und etwas dagegen zu unternehmen.

Ich glaube nicht mehr daran, die Dunkelheit zu ignorieren. Nur wer sich ihr stellt, kann ihre Schönheit erkennen. Ihre Bedeutung. Ihren Wert.

Denn aus der Dunkelheit heraus entstehen die schönsten Dinge. Und mir wird bewusst, dass ich sie brauche. Dass ich mich von ihr nähre. Und dass ich mich wohl in ihr fühle, wenn ich es zulasse.

Ich brauche sie, um tiefer zu gehen. Ganz nah an den Abgrund. Noch ein Stückchen. Noch ein kleines bisschen. Und manchmal auch einen Schritt zu viel.

Vielleicht ist es nicht so sehr das Glück, das uns einander näher bringt. Vielleicht sind es unsere Ängste, unsere Sorgen, unsere Trauer, die uns wirklich verbinden. Ich erkenne meinen Schmerz in dir, weil du mutig genug bist, ihn mir zu zeigen. Ich kann meine Reflexion in deinen Augen sehen. Und du deine in meinen.

Es ist ein Fluch, alles zu hinterfragen. So viele Gedanken in meinem Kopf, die mit mir meine Realität teilen wollen und sie mir damit stehlen. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich mir diesen Fluch selber auferlegt habe. Bin nicht sicher, ob ich ihn brechen kann. Ob ich ihn brechen will.

Doch vielleicht ist jeder Fluch irgendwie auch ein Segen. Auf die eine oder andere Weise. Weil es nie nur eine Bedeutung gibt. Nie. Und vielleicht ist es gar nicht so wichtig, eine Bedeutung zu wählen, sondern viel mehr beide Seiten zu erkennen und ihnen Raum zu geben.

Fluch und Segen. Segen und Fluch.

Ich breche meinen Fluch, indem ich den Segen in ihm erkenne.

Ich erkenne den Segen in der Verwüstung meines Fluchs. 

 

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Marina  ♥

 

 

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Gefallen dir meine Texte? Dann lies doch mal in die ersten Kapitel meines Romans “Weck mich auf!” rein.

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4 Comments

  • Reply Claudia

    Liebe Marina,

    ein toller Text! Ich verstehe genau, was Du meinst! Oft sind es bei mir gerade die dunkleren Zeiten, in denen ich produktiver werde, weil da so viel ist, das ich mir von der Seele schreiben möchte. Zu Grübeleien zu neigen ist oft ein Fluch, aber eben auch ein Segen, denn sie bringen mich auf die Ideen für die meisten meiner Geschichten. Die Dunkelheit inspiriert mich so viel mehr als das Licht, dass ich gelernt habe, sie als Teil von mir anzunehmen. Seit es mir gelungen ist, sie zu akzeptieren, ohne mich ihr zu ergeben und nicht nur darüber zu fluchen, dass sie mich begleitet, geht es mir viel besser als ihr und ich habe ein großes Stück an Lebensfreude gewonnen. Meine Schreibphasen habe ich aber eher, wenn die Dunkelheit stärker wird.

    Liebe Grüße

    Claudia

    9. März 2019 at 16:09
    • Reply Marina

      Hallo liebe Claudia,
      wie toll, dass du dich in meinem Text wiederfinden kannst. Ich verstehe auch sehr gut, was du meinst. Danke für deinen tollen Kommentar.
      Viele liebe Grüße,
      Marina

      10. März 2019 at 20:42
  • Reply Luise

    Wow, was für ein wunderschöner Text!
    “Ich glaube nicht mehr daran, die Dunkelheit zu ignorieren”… der Satz ist sofort in mein Journal gewandert, ich finde mich sehr darin wieder. Vielen Dank fürs Teilen!

    11. März 2019 at 14:57
    • Reply Marina

      Vielen Dank liebe Luise. Freut mich sehr, dass dir meine Worte gefallen und du dich darin wiederfinden kannst <3

      13. März 2019 at 20:17

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