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Falsche Intentionen und richtige Entscheidungen

„Ich habe nachgedacht“, sagt sie und senkt ihren Blick. „Was ist, wenn ich das alles nur will, um anderen etwas zu beweisen? Wenn das meine größte Motivation bei der ganzen Sache ist? Was ist, wenn ich vollkommen falsche Intentionen habe? Verstehst du, was ich meine?“ Ich nicke. Verstehe genau was sie meint, weil ich mir diese Fragen selber schon oft gestellt habe.

„Aber könnte es nicht sein, dass wir alle am Anfang falsche Intentionen haben?“, frage ich sie, ohne genau zu wissen, worauf ich hinauswill. „Ich meine, vielleicht haben die meisten Menschen, die großartige Dinge erreicht haben, ursprünglich genau dieselbe Intention gehabt. Vielleicht war ihre größte Motivation, anderen etwas zu beweisen.“

Sie sieht mich neugierig an. „Das ist doch nur die menschliche Natur“, fahre ich fort. „Wir wollen geliebt werden und denken uns, wenn wir etwas großartiges erschaffen dann werden wir geliebt und bewundert. Schau dir doch mal die ganzen Spitzensportler, Schauspieler, Models, Wissenschaftler, Ladenbesitzer, Autoren, Künstler, CEOs, Aktivisten und Politiker an. Glaubst du nicht, dass die meisten davon anderen etwas beweisen wollten und deshalb so weit gekommen sind? Vielleicht sogar alle. Irgendeine Rolle spielt das doch immer und wenn wir ehrlich sind, dann können wir das auch nicht verleugnen.“

Sie nickt langsam. „Vielleicht hast du Recht. Vielleicht mache ich mir einfach nur zu viele Gedanken.“ Ich lächle und komme mir vor, als würde ich mit meinem eigenen Spiegelbild reden. Als hätte ich mir diesen Ratschlag gerade selber gegeben, weil auch mich dieses Thema in letzter Zeit ständig beschäftigt hat. Wie faszinierend es doch ist, dass wir uns selbst durch andere am besten sehen können. Dass wir durch jedes Gespräch, jeden Austausch nicht nur den anderen besser kennenlernen, sondern auch uns selbst. Wir brauchen andere. Wir können keine Einzelkämpfer sein.

Falsche Intentionen.

Andere Menschen sind unsere Motivation. Was ist falsch daran? Wenn ich nicht wüsste, dass andere Menschen meine Texte lesen und sich in ihnen wiederfinden, wozu sollte ich sie dann schreiben? Ist es denn schlimm, anderen etwas beweisen zu wollen? Vielleicht brauchen wir dieses Bedürfnis ja, um den nötigen Antrieb zu bekommen. Vielleicht brauchen wir diesen Druck um unser Buch zu schreiben, unsere Prüfung zu bestehen, unser Business aufzubauen, unsere Träume zu verfolgen. 

Ja, ja, ich weiß.

Leidenschaft, Selbstverwirklichung und Weltverbesserungsgedanken sollten unsere größte Motivation und unsere Intention sein. Aber wer wird denn schon mit diesen Intentionen geboren? Vielleicht müssen wir alle erst einmal Dreck fressen um zu realisieren, was wirklich wichtig ist. Wir geben immer unser bestes, mit dem was wir wissen. Und vielleicht ist es auch gar nicht so verwerflich, wenn man etwas erreichen will, nur um anderen etwas zu beweisen. Ich meine, was ist schlimm daran, sofern es niemandem schadet?

‚Tu es für dich selbst‘ wird uns gesagt. ‚Du brauchst niemanden. Alles ist in dir.‘

Wirklich?

Was ist, wenn das gar nicht stimmt? Ist es denn so schlimm, andere Menschen zu brauchen? Wir sehnen uns nach Liebe und Anerkennung, nach Verbindung und Verständnis. Und dafür brauchen wir nunmal andere Menschen. Wo wäre denn sonst der Sinn? Alles was wir tun hat einen Effekt auf jemand anderen. Und alles was wir erschaffen wollen, wollen wir nur erschaffen damit es auch andere Menschen sehen können. Wir wollen, dass es nicht nur unsere Fantasie bleibt, sondern eine Realität, die wir mit anderen teilen können.

Wir wollen beweisen, dass diese Fantasie tatsächlich Wirklichkeit werden kann. 

Wir wollen beweisen, dass wir etwas können. 

Wir wollen beweisen, dass wir liebenswert sind. 

Und auch wenn wir das vermutlich gar nicht beweisen müssten, ist es vielleicht trotzdem gut, dass wir es versuchen. Weil wir so irgendwann merken, dass unser Wert nicht von unseren Errungenschaften abhängt, nicht von unserem Verdienst, unseren Klamotten, unserem Umfeld.

Und irgendwann merken wir, dass es auch andere gute Gründe dafür gibt, etwas zu erreichen, seine Träume zu verwirklichen. Vielleicht weil wir damit anderen helfen, weil wir die Welt mit unseren Ideen ein kleines bisschen bunter machen. Oder einfach nur, weil es sich gut anfühlt. 

Vielleicht sind falsche Intentionen manchmal gar nicht so falsch. 

Vielleicht bringen uns falsche Intentionen manchmal auf den richtigen Weg. 

Und vielleicht führen falsche Intentionen eben manchmal auch zu richtigen Entscheidungen.

 

***

Marina  ♥

 

 

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Magst du meine Texte? Dann schau doch mal in meinen Roman “Weck mich auf!” rein.

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6 Comments

  • Reply Judith

    Unglaublich wie gut deine Texte sind. So tiefgründig und wunderschön!

    19. Januar 2019 at 13:50
    • Reply Marina

      Oh wie lieb, das freut mich sehr zu hören!
      Vielen lieben Dank <3
      LG, Marina

      19. Januar 2019 at 17:00
  • Reply Claudia

    Super geschrieben! Ich denke auch, die Frage sollte nicht sein: Tue ich das für mich oder für andere? Die bessere Frage wäre: Tue ich das auch (!) für mich oder nur (!) für andere.
    Ich habe z.B. mal ein Fernstudium angefangen, anfangs teils weil ich es wollte, teils aber auch um zu beweisen, dass ich es kann. Das war okay. Irgendwann war das eigene Wollen aber weg, weil ich gemerkt habe, dass ich kein Wissenschaftstyp bin und ich habe eine Weile nur noch weitergemacht, um anderen etwas zu beweisen. Als mir das klar wurde, habe ich abgebrochen, da es mich von Dingen angehalten hat, die mir wichtiger geworden sind, vor allem dem kreativen Schreiben. Etwas nur für andere zu machen, fände ich falsch, aber wenn anderen etwas zu beweisen ein Teil der Gesamtmotivation ist, finde ich das völlig okay.

    Liebe Grüße

    Claudia

    21. Januar 2019 at 19:01
    • Reply Marina

      Hallo liebe Claudia,
      vielen lieben Dank für das Teilen deiner Erfahrungen!
      Ich finde es super, dass du den Mut hattest abzubrechen, als dir klar geworden ist, dass du das Studium nur noch machst um anderen etwas zu beweisen. Wenn das die einzige Motivation ist hat es keinen Sinn, das sehe ich genauso 🙂
      Viele liebe Grüße,
      Marina

      22. Januar 2019 at 16:31
  • Reply Flo

    Ha, so habe ich das noch gar nicht gesehen! Danke für den Denkanstoß 🙂

    22. Januar 2019 at 16:38
    • Reply Marina

      Wie schön, freut mich dass mein Text dich zum Nachdenken gebracht hat 😀

      22. Januar 2019 at 16:40

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