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Der Ruf der Stadt [Kurzgeschichte]

Einfach mal raus. Das war ihr Gedanke gewesen, als sie den Städtetrip gebucht hatte. In dem Dorf, in welchem sie wohnte, kannte sie jeder beim Namen und auch sonst war ihr jede Ecke so vertraut, dass es keine großen Geheimnisse mehr zu lüften gab. Umso aufregender war der Gedanke, in die Anonymität einer Großstadt einzutauchen. Noch wusste sie nicht, dass diese Reise ihr Leben in eine ganz neue Richtung lenken würde. 

Sie wollte endlich mal wieder dieses Gefühl der Ungewissheit spüren, welches man hat, wenn man sich in das Unbekannte wagt. Es war aufregend nicht zu wissen, was sie erwartete. Straßen, in denen sie sich nicht auskannte. Verkehrsmittel, die es Zuhause nicht gab.

Fremde Gesichter, die ihren Namen nicht kannten.

Sie wollte ziellos durch die Stadt schlendern und kleine versteckte Cafés entdecken, die selbst bei den Einwohnern als Geheimtipp galten.

Als sie ankam wurde ihr sofort klar, dass hier ein ganz besonderer Zauber in der Luft lag. Diese Stadt hatte etwas magisches an sich und sie fühlte sich sofort wohl. Wunderschöne historische Gebäude, interessante Museen, grüne Parks, große Straßen und kleine Gassen. Es war so anders als Zuhause und irgendwie doch so vertraut.

Hier gab es so viele Möglichkeiten, die sie Zuhause nicht hatte.

Hier stand ihr die Welt offen.

Und obwohl ihr das auch ein bisschen Angst machte, spürte sie gleichzeitig eine unerklärliche Sicherheit. Spürte sie diese Sicherheit weil sie wusste, dass sie nur ein paar Tage hier war? Oder hatte dieses Gefühl einen anderen Grund?

Sie bemerkte, dass diese Stadt etwas in ihr auslöste. Noch konnte sie nicht wirklich einordnen, was es genau war. Kann man sich in eine Stadt verlieben, wie in einen Menschen? Kann es sein, dass es für jeden Menschen nicht nur den perfekten Partner, sondern auch die perfekte Stadt gibt? Werden wir von einem Ort gerufen?

Als sie nach einer Woche in den Zug stieg, der sie wieder zurück nach Hause bringen sollte, wusste sie noch nicht, dass es gar nicht so lange dauern würde, bis sie wieder hier sein sollte. Sie wusste noch nicht, dass sie hier ihren zukünftigen Ehemann kennenlernen, ihre zwei Kinder großziehen und ihr neues Leben aufbauen würde. Sie wusste noch nicht, dass sie mit dieser Reise ihre Zukunft neu geschaffen hatte. 

Vielleicht zog es ihre Seele an diesen Ort.

Vielleicht wusste ihre Seele, dass sie an diesem Ort sein musste, um etwas zu lernen, um zu wachsen, um zu kämpfen und zu gewinnen. Vielleicht war es nicht der einfachste Weg, vielleicht auch nicht die leichteste Entscheidung. Aber vielleicht ist der einfachste Weg auch nicht immer der beste. 

Und so fuhr sie im Zug zurück Richtung Heimat und wurde das Gefühl nicht los, dass diese Reise etwas für immer in ihr verändert hatte.

***

Marina  ♥

 

Diese Geschichte basiert auf einer wahren Story von G. P. 

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12 Comments

  • Reply König Wasserrutsche

    “Kann man sich in eine Stadt verlieben, wie in einen Menschen?” – Meiner Erfahrung nach ja! Aber auch hier kann jede Stadt nur für eine bestimmte Lebensphase “DIE Liebe” sein und danach gibt es eine neue Liebe. “Kann es sein, dass es für jeden Menschen nicht nur den perfekten Partner, sondern auch die perfekte Stadt gibt?” – Ja! Vielleicht sogar zwei oder drei 😉 “Werden wir von einem Ort gerufen?” – Ich werde immer wieder von einem bestimmten Land gerufen, so als ob meine Seele fest dorthin gehört. Andererseits werde ich auch immer wieder von einem Stadtstaat in Asien gerufen, wo ich bisher noch nicht war. Das Gefühl, dass eine Reise das ganze nachfolgende Leben verändert, kenne ich sehr gut und hatte es bereits zwei mal erlebt 🙂

    29. Juli 2018 at 15:41
    • Reply Marina

      Sehr interessante Ansichten und Einblicke mal wieder, vielen Dank dafür 😀 Heißt das denn, dass deiner Meinung nach auch die Liebe zu einem Menschen nur eine Lernphase ist und es die große Liebe nicht gibt? 🙂

      29. Juli 2018 at 21:06
  • Reply König Wasserrutsche

    “Heißt das denn, dass deiner Meinung nach auch die Liebe zu einem Menschen nur eine Lernphase ist und es die große Liebe nicht gibt?” – hmmm… jain! Es kommt wohl auf die jeweiligen Menschen an. Ich kenne zwei Pärchen aus Polen, die offenbar unzertrennlich sind (im positiven Sinne). Die einen sind schon seit (ich glaube) 12 Jahren zusammen und seit 3 oder 4 Jahren verheiratet. Sie entwickeln sich beide in die gleiche Richtung, sodass es hier eigentlich keine großen Konflikte und Unterschiede gibt. Außerdem haben beide zusammen eine Firma hochgezogen, was sie wohl auch zusammengeschweißt hat, weil sie dadurch offenbar auch lernten, unlösbare Probleme eben doch für alle Beteiligten bestmöglich zu lösen. Die anderen beiden sind Fotografen, die zwar etwa 10 Jahre Altersunterschied trennt, aber die beide sehr ähnliche Visionen und Ziele haben und sich gegenseitig immer neuen Input und Motivation geben, sodass sich deren persönliche Entwicklung noch mal um ein vielfaches potenziert und es sie dadurch auch zusammenschweißt. Außerdem kenne ich noch ein Pärchen, die auch schon sehr lange verheiratet sind und eine Tochter haben – Die haben eigentlich nichts von dem, was die beiden vorhergenannten haben, im Gegenteil, sie unterscheiden sich in einigen Dingen sogar voneinander. Aber hier ist es scheinbar so, dass sie sich perfekt ergänzen, weil sie die Lücken des Anderen Füllen und dadurch eben auch zu der Entwicklung des jeweils anderen Beitragen, ohne aber von dem anderen abhängig zu sein.

    Wenn es um mich selbst geht, gab es ja etlich Umbrüche in meinem Leben. Die längste Beziehung war zwar sehr lang, aber auch ziemlich ungesund für meine Psyche und extrem destruktiv. Das kannst du bald (sobald ich wieder etwas Zeit und Ruhe habe) im 2. Teil meiner Story zu lesen. Das Problem hierbei war aber auch, dass ich wie geschaffen dafür war, überhaupt in solch eine Falle zu tappen. Ich hab damals häufig das Glück und Bestätigung in anderen gesucht, anstatt in mir selbst. In vielen Bereichen neigte ich zu Co-Abhängigkeiten und ließ mich zu schnell von anderen dazu verleiten, meine Ziele umzuwerfen oder mich zu demotivieren. Das sind Dinge, die ich jetzt anders mache und vor allem, die ich alleine mache. Ohnehin hab ich derzeit kein Interesse an festen Beziehungen, da das meinen Zielen und derzeitigen Träumen einfach im Weg stehen würde. Ich hab mich einfach zu viele Lebensjahre genau deswegen beschränkt, sowie meinen eigenen Wünsche und Ziele hinten angestellt.

    Es gibt da noch eine Sache die ich interessant finde: Man spricht ja bei Beziehungen und Ehen oft vom “verflixten 7. Jahr” wo oft alles in die Brüche geht oder große Krisen anstehen. Es ist irgendwie ein lustiger Zufall, dass sich auch in einem Zyklus von 7 Jahren alle deine Zellen einmal erneuert haben. Das heißt genau genommen, dass du alle 7 Jahre ein neuer Mensch bist, weil keine einzige alte Zelle mehr vorhanden ist und durch eine neue ausgetauscht wurde. Ich glaub, dass hat viel mehr Auswirkungen auf unsere Entwicklung, als man denkt 🙂

    30. Juli 2018 at 13:30
    • Reply Marina

      Hach, ich liebe deine Kommentare! 😀
      Der letzte Teil mit dem verflixten siebten Jahr war gerade voll mindblowing für mich. An den Zusammenhang habe ich noch nie gedacht! Aber klar, da ist sicher was dran. Lustig, dass meine letzte Beziehung auch im siebten Jahr endete 😉
      Ich freue mich schon sehr auf deine Story 🙂

      31. Juli 2018 at 10:59
      • Reply König Wasserrutsche

        Du liebst meine Kommentar-Romane?? Ich bin neugierig und frage mal: wieso? Und wie denkst du darüber? Glaubst du dass die Liebe zu einem Menschen nur eine Lernphase ist und es die große Liebe nicht gibt? Und glaubst du, dass die Dauer einer Beziehung wichtiger ist oder eher ob es mehr gute als schlechte Tage gab? Glaubst du, dass man auch ohne Partner glücklich sein kann, oder denkst du, dass erst das Leben mit einem festen Partner wirklich sinnvoll ist? Fragen über Fragen…

        1. August 2018 at 4:11
        • Reply Marina

          Hehe ich liebe deine Kommentare weil da so viele Gedanken dahinter stecken. Und weil du so viele Einblicke gibst und das total interessant ist 🙂
          Also ich denke das alles im Leben eine Lernphase ist, aber das heißt nicht, dass man diese Phase nicht sein ganzes Leben lang mit ein und demselben Menschen durchmachen kann. Ich glaube sogar, dass man mehr lernt wenn man verschiedene Phasen mit derselben Person durchmacht, als ständig den Partner zu wechseln. Weil dann wenn es richtig schwer wird lernt man ja auch am meisten. Also ja, ich denke es gibt die große Liebe 🙂 Auch wenn das eigentlich auch einfach nur eine Entscheidung ist.
          Und ich glaube sowohl die Dauer, als auch ob es mehr gute oder schlechte Tage gab ist eigentlich egal. Wichtig ist, was man in diesem Augenblick daraus macht. Und ob beide Partner dieselben Vorstellungen und Ziele haben und “on the same page” sind. 😀
          Und zur letzten Frage, hmmm, also sinnvoll ist das Leben auf jeden Fall immer. Schöner ist es vielleicht mit Partner, aber den findet man ja auch, wenn man bereit dafür ist. Und die Zeit dazwischen ist genauso wertvoll 🙂

          1. August 2018 at 15:29
  • Reply König Wasserrutsche

    Danke dafür dass du dir die Zeit genommen hast, mir auch einen Einblick zu geben 🙂 Ich mag deinen Blog, weil ich entweder Ähnlichkeiten mit eigenen Erlebnissen und Gedanken entdecken kann, oder aber etwas erfrischend neues aufschnappen kann.

    Ich hab aber jetzt bemerkt, dass ich scheinbar doch noch ein Problem mit Komplimenten dieser Art (wie oben) habe. Ich stocke dann meist kurz und frage mich “Ist das jetzt wirklich ernst gemeint? Und falls ja, bleibt diese Meinung auch so oder kippt sie doch ins genaue Gegenteil? Wo ist die Grenze zwischen ernst gemeinten Komplimenten und Idealisierung oder schlimmstenfalls gar Love-Bombing als Teil einer Manipulation?” – Bei Freunden die ich länger kenne, kann ich das viel leichter Beurteilen und vermutlich wird das noch einige Wochen so bleiben, bis sich das bei mir wieder auf einem normalen Level eingependelt hat. Im Zweifelsfall frag ich dann schon mal nach und schalte gegebenenfalls den roten Alarm wieder aus 😀

    Was die Liebe betrifft, denke ich dass man auch erst lernen sollte, sich selbst zu lieben und sich selbst glücklich zu machen. Leider erwarte ja viele genau das von ihrem Partner und deshalb sind viele Beziehungen eben leider so, wie sie sind. Grüße aus dem schwarzen Loch 😀

    1. August 2018 at 16:43
    • Reply Marina

      Ich meine das auf jeden Fall ernst, kannst das Kompliment ruhig annehmen 🙂
      Mit der Selbstliebe stimme ich dir vollkommen zu. Man kann meiner Meinung nach andere nur richtig lieben, wenn man sich auch selbst lieben kann. Denn wir behandeln andere auch so, wie wir uns selbst behandeln. Wenn auch nicht bewusst. Und wenn man mit sich selbst glücklich ist, dann ist man auch offen und bereit für den richtigen Partner 🙂 Abhängigkeit ist nie gut, denn damit geben wir anderen die Macht über unsere Gefühle zu bestimmen. Dabei sind nur wir selbst dafür verantwortlich, wie wir uns fühlen und niemand anderes. Nur wir selbst können uns glücklich machen. Und andere können dazu beitragen.
      Liebe Grüße zurück ins schwarze Loch 😀

      1. August 2018 at 18:15
  • Reply König Wasserrutsche

    PS ich hab jede Menge Katzenaugen gegessen (die von den Fahrrädern, nicht die von echten Katzen), deshalb neige ich häufig zur Selbstreflexion 😉

    1. August 2018 at 16:45
    • Reply Marina

      😂😂😂😂

      1. August 2018 at 18:16
  • Reply Ingrid Solvana Dankwart

    Wie wundervoll liebe Marina, deine Geschichte hat mich heute besonders angesprochen, weil ich dieses Gefühl gerade kenne und meine Seele angekommen ist. 🙂 Danke und ich werde mehr von dir lesen. 🙂

    herzliche Grüße Ingrid

    16. August 2018 at 10:31
    • Reply Marina

      Hallo liebe Ingrid,
      wie schön, das ist toll zu lesen! Darf ich fragen in welcher Stadt deine Seele angekommen ist? 🙂
      Vielen lieben Dank für dein nettes Feedback <3
      Liebe Grüße,
      Marina

      16. August 2018 at 11:58

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