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Wenn die Menstruation ausbleibt – Psychische Ursachen von Amenorrhoe

Viele Frauen beschweren sich regelmäßig über ihre Menstruation. Sie hassen diese Tage im Monat und wünschen sich oft, die Blutung einfach ausfallen lassen zu können. Früher dachte ich auch so. Bis die Blutung wirklich ausfiel. Und dann wieder. Und wieder. Und wieder.

Wenn ihr meine Geschichte mit der Kuperspirale gelesen habt, dann wisst ihr, dass ich nach dem Entfernen der Spirale ein Jahr lang meine Tage überhaupt nicht mehr bekam. Auch jetzt noch ist mein Zyklus unregelmäßig und ich blute nur sehr selten. Wenn man in so einer Situation ist, dann wird einem erst klar, wie wichtig die Menstruation wirklich für eine Frau ist.

Ein Jahr ohne Periode 

Ein Jahr lang hatte ich keinen Eisprung, keine Blutung, nichts. Dafür jede Menge Zysten in den Eierstöcken, weil sich alles angestaut hatte. Ich lief von einem Arzt zum anderen (was ich nach meinem Verhütungsdrama ja eh schon gewohnt war), aber mal wieder konnte mir niemand helfen. „Abwarten“ hieß es immer.

Einige Ärzte vermuteten das PCO-Syndrom bei mir. Hormontest wiederlegten das aber. Dann hieß es, ich sei untergewichtig und müsse zunehmen, oder ich habe zu viel Stress in der Uni. Ich esse zu wenig und mache wahrscheinlich zu viel Sport, dass sei der Grund dafür, dass meine Menstruation ausbleibt. Dass ich schon immer schlank war und sich mein Gewicht nicht verändert hatte, interessierte niemanden. Auch, dass die Kupferspirale Schuld sei wollten einige Ärzte nicht hören.

Psychische Ursachen? 

Schließlich fand ich endlich eine Ärtzin, die sich richtig für mich interessierte. Sie erkläre mir, dass Amenorrhoe meistens psychische Ursachen hat. Für eine Frau ist es wichtig fruchtbar zu sein, denn das macht ihre Weiblichkeit aus. Auch wenn aktuell kein Kinderwunsch besteht, habe ich wahrscheinlich eine unterbewusste Angst davor, dass die Spirale etwas in meiner Gebärmutter dauerhaft geschädigt hat. Diese Angst produziert so viel Stress, dass meine Menstruation einfach ausbleibt. In besonderen Stresssituationen schaltet der Körper einfach ab, da es dann ungünstig ist, ein Kind zu bekommen.

Dass ich meine Tage nicht bekomme produziert noch mehr Stress. Es ist einfach ungesund und unnatürlich und verursacht ein enormes Hormonchaos. Aber vor allem fühlt man sich in seiner Weiblichkeit beraubt. Das wurde mir erst richtig klar, als sie es aussprach. Kaum hatte sie den Satz gesagt merkte ich, wie mir Tränen in die Augen stiegen. Sie hatte einfach sowas von Recht! Wie sehr es mich belastete, habe ich vorher gar nicht gemerkt.

Jemand versteht mich… 

Es tat auf jeden Fall sehr gut endlich mit jemandem zu sprechen, der sich dafür interessierte und mich verstand. Und siehe da: Nur eine Woche später kamen meine Tage nach knapp einem Jahr zurück!!! Wenn das mal kein Zufall war! Nur leider hatte ich danach immer noch keinen regelmäßigen Zyklus. Sie kamen zwar, aber immer noch in sehr großen Abständen. Auch bis heute noch.

Trotzdem wurde mir klar, dass das Alles wirklich psychische Ursachen haben musste. Im Grunde liegt der Ursprung jeder Krankheit in der Psyche. Deshalb recherchierte ich ein bisschen, was für weitere Gründe denn infrage kommen würden.

Was steckt dahinter? 

Fast in jeder Literatur hieß es, dass Amenorrhoe auf eine Ablehnung der eigenen Weiblichkeit hindeutet. Das kann viele Ursachen haben. Ablehnung der Mutter oder Mutterrolle, Ablehnung der Rolle der Frauen in der Gesellschaft, Ablehnung der weiblichen Intuition und vieles mehr.

Auf den ersten Blick fiel mir nichts dazu ein. Aber dann dachte ich genauer darüber nach. Vielleicht lehne ich die Rolle der Frau und Mutter tatsächlich unterbewusst ab. Meine Mutter hat mich und meine Schwester alleine groß gezogen, was natürlich nicht einfach war. Vielleicht habe ich Angst davor, dass mir das auch passiert. Vielleicht schützt mein Körper mich deshalb vor einer Schwangerschaft. Aber wieso hatte ich früher keine Probleme mit meinem Zyklus? Warum genau jetzt? 

Die Lasten der Frau 

Mir fiel ein, dass ich mich zu dem Zeitpunkt als alles anfing, oft über die Lasten der Frauen beschwert habe. Wir sind diejenigen die leiden müssen, wenn wir unsere Tage haben, oder wenn wir ein Baby auf die Welt bringen. Die Männer sind fein raus. Und vor allem habe ich mich nach meinem Verhütungsdrama furchtbar darüber aufgeregt, dass wir diejenigen sind, die sich um die Verhütung kümmern müssen. Ich fand es einfach nur unfair, dass Frauen die Pille schlucken und sich damit ihre Gesundheit ruinieren, oder sich ein Metallteil in die Gebärmutter schießen lassen müssen.

Männer dagegen beschweren sich, wenn sie Kondome benutzen müssen. Das ist ja schon zu viel verlangt. Das hat mich einfach unglaublich wütend gemacht! Vor allem nach meiner Geschichte. Deshalb kann es gut sein, dass ich das Frausein abgelehnt habe, beziehungsweise es immer noch tue. Dann fiel mir ein, dass sich meine Bachelorarbeit, die ich zu der Zeit geschrieben habe, als ich meine Tage überhaupt nicht bekam, um die Frauenrolle während der Diktatur in Spanien gedreht hatte. Zu dieser Zeit durften Frauen nichts, waren wertlos und komplett abhängig von ihren Männern.

Was kann ich tun? 

Ich sah so viele Filme und las so viel Literatur darüber, dass mich das mit Sicherheit auch beeinflusst hat. Natürlich machte mich das wütend. Frauen wurden wie Objekte behandelt, hatten kein eigenes Geld, mussten ihrem Mann dienen, kochen, putzen, Kinder erziehen, hatten keine Chance, sich selber zu verwirklichen. Vielleicht hat mich das in meiner Situation einfach zu sehr getroffen. Weshalb ich meine Weiblichkeit noch mehr abgelehnt habe.

Was kann ich jetzt tun? Nun ja, ich finde sich mit den Gründen zu beschäftigen ist schon mal ein guter Schritt nach vorne. Ich hab mir echt viele Gedanken darüber gemacht, sonst wäre ich auf so etwas auch nie gekommen. Ich muss wieder lernen, meine Weiblichkeit zu lieben und stolz darauf zu sein. Ich will meinen Körper gut behandeln, ihn nicht mehr mit Verhütungsmitteln zerstören.

Dankbar sein 

Ich sollte mich darauf konzentrieren, was Frauen heutzutage alles leisten und wie frei wir sind. Anstatt mich über die Vergangenheit zu ärgern. Und ich muss mir klar machen, dass das Frausein etwas wunderbares ist. Wir kreieren Leben. In uns kann ein neuer Mensch heran wachsen. Ist das nicht etwas wunderschönes, faszinierendes?

Deshalb sollten wir uns nie über unsere Menstruation beschweren, oder unsere Fruchtbarkeit mit künstlichen Hormonen unterdrücken. Denn es gibt auch natürliche Verhütungsmethoden. Unsere Gebärmutter ist etwas heiliges. In ihr kann ein neues Leben entstehen. Eine Frau zu sein ist ein Geschenk. Und auch wenn es Probleme mit sich bringt, bin ich trotzdem dankbar dafür. Und ich bin zuversichtlich, dass sich mein Zyklus bald wieder ganz von alleine einpendelt, sobald ich das zu 100 Prozent akzeptiert habe. 

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2 Comments

  • Reply Jessica

    Danke für diesen ehrlichen und authentischen Post!!! Wirklich sehr, sehr interessant!!!!!

    18. Juli 2016 at 18:45
    • Reply Marina

      Das freut mich total 🙂

      18. Juli 2016 at 18:55

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