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Was die Menschen in deinem Umfeld über dich aussagen

Woran liegt es, dass wir bestimmte Personen mögen und andere dafür nicht ausstehen können? Bei manchen Menschen wundern wir uns, wie andere freiwillig mit ihnen zusammen Zeit verbringen können. Und trotzdem haben sie Freunde und werden von ihnen dafür geliebt, dass sie so sind, wie sie eben sind. Anscheinend haben sie wohl doch Eigenschaften, die andere an ihnen schätzen. Aber wir können sie einfach nicht sehen.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Wir alle fühlen uns zu bestimmten Menschen hingezogen und bei anderen spüren wir sofort, dass da irgendetwas nicht passt. Woran liegt das? Wir ziehen immer Menschen in unser Leben, die alle irgendetwas gemeinsam haben, was aber nicht unbedingt auf den ersten Blick zu sehen ist. Vielleicht sind alle deine Freunde unternehmungslustig, extrovertiert, oder kreativ. Oder vielleicht haben sie alle irgendeine Art von Familienproblemen, sind im Grunde unzufrieden, oder haben ein schlechtes Selbstbild. Schau mal ganz genau hin, findest du etwas, was alle deine Freunde verbindet?
Noch deutlicher wird das in romantischen Beziehungen. Dir ist sicher aufgefallen, dass alle deine früheren Beziehungspartner oder Personen, in die du verliebt warst, irgendetwas gemeinsam haben. Vielleicht waren sie alle dominant, aggressiv, depressiv, künstlerisch, traurig, aufbrausend, lebensfroh, oder was auch immer. Mit Sicherheit gab es auch äußere Aspekte, die gleich oder ähnlich waren. Fällt dir was auf?
Wir ziehen immer die selbe Art von Mensch in unser Leben. Und zwar Menschen, die bestimmte Aspekte von uns wiederspiegeln. Bewusste, aber auch unterbewusste. Wir fühlen uns bei Menschen wohl, die ähnlich sind wie wir. Bei Menschen, die die selben Interessen, Ansichten, Leidenschaften, Denkweisen und Hobbys haben. Das ist ja auch logisch, denn wir wollen jemandem, der uns versteht und mit dem wir über Themen reden können, die uns am Herzen liegen. Gleich und gleich gesellt sich eben gerne.

„Die Seele zieht an, was sie insgeheim in sich trägt. Das was sie liebt, aber auch das was sie fürchtet.“ – James Allen


Gegensätze ziehen sich an

Aber was steckt hinter dem Sprichwort: Gegensätze ziehen sich an? Ist es nicht auch so, dass wir uns zu Personen hingezogen fühlen, die genau das Gegenteil von uns sind? 

Auf den ersten Blick sieht es oft so aus. Aber da steckt noch mehr dahinter. Wir alle haben Emotionen, Impulse oder Wünsche in uns, die wir irgendwann in unserer Kindheit verdrängt haben, weil es nicht okay war, sie zu zeigen. Diese Aspekte haben wir in unser Unterbewusstsein verbannt und nun keine Ahnung, dass es sie gibt. Aber wir können uns selber nichts vormachen, denn unser Unterbewusstsein bestimmt 95% unserer Handlungen und Entscheidungen

Diese begrabenen Emotionen in uns verschwinden also nicht einfach so. Sie wollen von uns akzeptiert werden, damit wir uns wieder ganz fühlen. Und dabei können uns unsere Beziehungen helfen. Denn schließlich wollen wir ja auch einen Partner und Freunde, bei denen wir uns wieder ganz fühlen. Aber woher kommt dieses Gefühl?

Wir ziehen Menschen an, die genau die Aspekte wiederspiegeln, die wir so erfolgreich in uns selbst verdrängt haben. Das können positive und negative Aspekte sein. Das, was wir an Menschen am Meisten lieben, haben wir in uns selber unterdrückt, aber auch das, was wir an Menschen am Meisten hassen, steckt in uns und wurde vergessen. Vielleicht sieht es deshalb so aus, als wäre unser Partner unser Gegenteil, aber in Wahrheit ist er wie unser Spiegel und erinnert uns an das Verdrängte.

„Manchmal ziehen sich Gegensätze an und finden dann heraus, dass sie doch nicht so unterschiedlich sind, wie sie gedacht haben.“ – Allie Brennan

Projektion

In der Psychoanalyse wird dieses Phänomen Projektion genannt. Siegmund Freud beschrieb dies als eine Art Abwehrmechanismus. Das verdrängte Unterbewusste wird auf einen anderen Menschen projiziert und verurteilt, weil man als Kind gelernt hat, das diese bestimmten Wünsche, Gefühle, oder Ängste nicht in Ordnung sind. Wir kritisieren unsere eigenen Probleme an anderen, merken das aber nicht. Für andere dagegen kann dies manchmal ziemlich offensichtlich sein. Zum Beispiel bei einer Person, die über Personen schimpft, die schlecht über andere reden, obwohl sie dies selbst gerne tut. 

Wir kritisieren bei anderen immer das, was uns (unbewusst) an uns selber stört. Wäre das nicht so, würden uns diese Eigenschaften gar nicht auffallen und es wäre uns egal. Wir lehnen das bei anderen ab, was wir selber auch bei uns ablehnen. 

Wenn uns also beigebracht wurde, die Bedürfnisse anderer immer vor unsere eigenen zu stellen, dann finden wir Personen schrecklich, die ihre eigenen Bedürfnisse erfüllen und dazu stehen. Tief in unserem Inneren würden wir selber gerne mehr für uns und unser Wohlbefinden tun und uns nicht immer nur nach anderen richten. Aber wir haben diesen Teil erfolgreich verdrängt, weil er in unserer Kindheit nicht akzeptiert wurde.

„Projektion ist das Verfolgen eigener Wünsche in anderen.“ – Sigmund Freud

Beziehungen sind ein Spiegel

Vielleicht ziehen wir aber genau deshalb einen Partner an, der exakt diese Eigenschaft besitzt, sich also stets um seine Bedürfnisse kümmert und dies offen zeigt. Es sieht dann so aus, als wäre die Person in dieser Hinsicht das genaue Gegenteil von uns, was aber so nicht stimmt. Und dadurch, dass unser Partner diese Eigenschaften zeigt, die wir selber unterdrücken, fühlen wir uns wieder ganz. Deshalb ziehen sich immer zwei Menschen an, die gegenseitig die Attribute spiegeln, die sie selbst verdrängen. 


Beziehungen können uns also sehr dabei helfen, mehr über sich selbst herauszufinden, wenn wir nur genau hinschauen. Dazu gehören natürlich auch Freundschaften und eigentlich jede Art von Kontakt mit anderen, auch mit Arbeitskollegen, Verwandten, oder Menschen die man irgendwo trifft und vielleicht nie wieder sieht. 

„Alles was du dachtest, dass sie sind, bist du.“ – Byron Katie


Projektion kann nützlich sein

Sobald einem klar wird, dass jeder projiziert und auf jeden projiziert wird, öffnet uns dies zwei neue Türen. Zum einen müssen wir nicht mehr alles so persönlich nehmen, da wir wissen, dass die Menschen, die uns nicht leiden können, bloß ihre eigenen Wunden auf uns projizieren. Aber was noch wichtiger ist: Wir selber urteilen nicht mehr so schnell über andere Menschen. Sobald uns etwas furchtbar an einer Person aufregt, sollten wir uns nämlich fragen, was dies über uns selbst aussagt. Welche unterdrückte Emotion dadurch abgerufen und gereizt wurde. 

 

„Der gefährlichste psychologische Fehler ist die Projektion unseres Schattens auf andere. Dies ist der Auslöser fast aller Konflikte.“ – Carl Gustav Jung (Psychologe)


Je mehr wir darauf achten und je mehr wir darüber nachdenken und uns selber analysieren, desto deutlicher wird es. Haben wir das ganze Konzept erst einmal richtig verstanden, können wir selber enorm daran wachsen. Es macht uns reifer, achtsamer und aufmerksamer und wir verstehen unsere Reaktionen immer besser. 


Bevor wir also das nächste Mal andere Menschen zu schnell verurteilen, sollten wir zuerst auf uns selber schauen und herausfinden, was in uns schlummert, dass wir jahrelang verdrängt und unterdrückt haben. Und dann können wir uns endlich damit versöhnen.

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6 Comments

  • Reply Nora

    WOW! Was für ein Artikel! Unglaublich interessant und lehrreich. Und tolle Zitate 🙂

    14. Dezember 2016 at 12:52
    • Reply Marina

      Vielen Dank liebe Nora 🙂

      16. Dezember 2016 at 13:11
  • Reply Pepper

    Von mir auch ein dickes Danke 🙂

    Besonders das mit der Projektion beschäftigt mich die Tage.
    Z.B. hat Vera Birkenbiehl einmal eien Szene beschrieben:
    Kurz: Person A hält Person B für einen Egoist.
    Aus Sicht von Persona A: Warum interessiert sich das A*******h nur für seine 3×3 qm Insel. Der soll sich gefälligst um meine 3x3qm Inselfläche interessieren 😀

    Aus dem Denken heraus bin ich derzeit der Meinung, dass wir andere Menschen nur als Egoisten ansehen können, wenn wir selbst Egoisten sind.
    Ein faszinierendes Thema und ich hoffe, dass ich mich noch das eine und andere Mal darüber irre 🙂

    PS: Deine Seite ist gar nicht so leicht zu finden 🙂

    15. Dezember 2016 at 9:01
    • Reply Marina

      Hallo Pepper 🙂

      Projektion ist schon wirklich seeehr interessant und verändert die Sichtweise einfach komplett. Dein Beispiel trifft es genau auf den Punkt. Wir können nur das in anderen sehen, was in uns selber vorhanden ist.

      Aber das macht ja alles umso spannender! 🙂
      Ganz liebe Grüße

      PS: Wie hast du sie denn gefunden? 🙂

      16. Dezember 2016 at 13:14
  • Reply Pepper

    Puuuh
    An den Tag hatte ich zwei Schlagworte gesucht (glaub Wut und Liebe, oder so) und da war der Blog der dritte Link (ohne personalisierte Suche ;)). Danach wollte ich einen Beitrag schreiben, aber deine Seite war nicht mehr in der Chronik und außer Marina/Studentin hatte ich mir nichts einprägen können.
    Irgendwie hatte ich dann doch wieder hierhergefunden, indem ich gezielt nach den Wut-Thread suchte.
    Ich weiß aber nicht mehr wie 🙂

    Nun habe ich mir einfach den Link eingeprägt 😀

    19. Dezember 2016 at 11:25
    • Reply Marina

      Okay, vielen Dank, das ist gut zu wissen 🙂
      Liebe Grüße <3

      20. Dezember 2016 at 9:55

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