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Was deine Wut über dich verrät

Jeder von uns kennt dieses Gefühl, so wütend zu sein, dass man nicht mehr klar denken kann. Wir wollen Dinge durch die Gegend werfen, schreien, stampfen und irgendetwas kaputt schlagen. Wut sprudelt nur so aus uns heraus und lässt sich schlecht kontrollieren. Oft sagen, oder tun wir Dinge, die wir gar nicht so meinen und später bereuen. Trotzdem fühlt es sich in dem Moment gut an, seinem Ärger Luft zu machen.

Warum entsteht Wut?

Warum werden wir eigentlich wütend? Weil irgendetwas passiert ist, dass uns nicht passt. Jemand hat sein Versprechen nicht gehalten, sich gegen uns verschworen, böse Dinge gesagt, oder getan. Wir fühlen uns angegriffen und bedroht und deshalb werden wir wütend.
Etwas ist passiert, dass wir nicht kontrollieren konnten und deshalb fühlen wir uns hilflos, machtlos, verletzt, ängstlich, oder traurig. Und diese Gefühle sind viel schwerer zu ertragen, als Wut. Es fühlt sich einfach besser an, wütend zu sein, als schwach. Deshalb entscheiden wir uns für Zorn und das ist okay. Es ist immer okay, sich besser fühlen zu wollen. 

Akzeptiere deine Wut

Natürlich fühlt sich auch Wut auf Dauer nicht gut an und deshalb sollten wir irgendwann damit anfangen, zu versuchen, diese negativen Gefühle der Situation gegenüber, hinter uns zu lassen. Dafür müssen wir unsere Wut aber erst einmal akzeptieren. Viele Menschen haben gelernt, Wut in sich hinein zu fressen. Als Kind wurde uns beigebracht, dass Wut etwas Böses ist und wir sie auf keinen Fall zeigen sollen.
Wütende Kinder werden bestraft. Dadurch haben viele von uns gelernt, ihren Ärger zu schlucken und oft auch gar nicht anzusprechen, was uns nicht passt. Und das ist Schade, denn so verliert man schlimmsten Falls seine eigene Meinung und passt sich den anderen einfach immer an, um Reibungen zu vermeiden. Wenn etwas passiert, dass uns eigentlich wütend machen würde, denken viele von uns oft, sie hätten kein Recht dazu verärgert zu sein und ertragen den Zustand ohne Widerworte. 
Wenn wir dann doch irgendwann wütend werden, werden sie von anderen Menschen daran erinnert, dass so ein Verhalten nicht angemessen ist. Die Leute in unserem Umfeld mögen es meistens nicht, wenn wir wütend sind. Sie sagen uns, wir sollen damit aufhören und sofort fallen wir wieder in einen Zustand von Hilflosigkeit und Trauer zurück, was sich noch viel schlimmer anfühlt. Oft wird das ganze zu einem Teufelskreis. Wut – Hilflosigkeit – Wut -Hilflosigkeit ….
Deshalb sollten wir unsere Wut akzeptieren, wenn wir sie fühlen. Es ist vollkommen okay wütend zu sein.

Was löst deine Wut aus?

Warum macht dich diese Situation so wütend? Warum fühlst du dich so bedroht? Was wurde angegriffen? Dein Selbstwertgefühl? Deine Freiheit? Dein Recht auf eine eigene Meinung? Was hat dich so sehr verletzt? Wovor hast du Angst?
Diese Fragen stelle ich mir selbst, wenn ich wütend bin. Nicht, weil es nicht okay ist, wütend zu sein, sondern weil ich mich selber besser kennen lernen möchte. Ich will verstehen, warum ich mich so fühle und warum ich, wie, auf eine bestimmte Situation reagiere. Denn Wut verdeckt immer etwas tiefer liegendes, etwas, dass uns viel mehr trifft, als wir es uns eingestehen wollen.
Wenn ich wütend bin, dann meistens, weil mein Selbstwertgefühl angegriffen wurde. Die Situation bringt mich dazu, an mir selbst zu zweifeln, an meinem Wert zu zweifeln und an meiner Liebenswürdigkeit. Und das macht mich wütend!
Egal ob mein Computer nicht funktioniert, jemand etwas schlechtes über mich sagt, oder etwas tut, dass ich nicht möchte, alle diese Situationen treffen auf einer tieferen Ebene mein Selbstwertgefühl und mein Freiheitsbedürfnis. Deshalb fühle ich mich hilflos und dadurch werde ich wütend. 
Und so, oder so ähnlich, geht es jedem von uns. Vielleicht hast du Angst vor der Zukunft, wenn du wieder eine Absage auf deine Bewerbung bekommen hast. Vielleicht fühlst du dich verletzt, wenn dein Freund die Klobrille einfach nicht hochklappt, egal wie oft du es ihm schon gesagt hast. Vielleicht fühlst du dich unsicher, wenn deine Freundin mit ihren Mädels weggeht und du alleine zuhause bleibst und du hast Angst davor, dass sie dich betrügt. Und deshalb reagieren wir meistens in all diesen Situationen mit Wut. Und im Grunde nur, weil unser Selbstwertgefühl zu schwach ist und dadurch angegriffen wird. Aber das ist okay.

Wie löse ich das Problem?

Sobald uns bewusst wird, warum genau wir eigentlich wütend sind, ist die Lösung schon viel leichter. Wenn wir nur wütend sind, weil wir uns selber nicht genug zutrauen, oder uns durch eine Situation weniger liebenswert fühlen, dann sollten wir an unserer Selbstliebe arbeiten. Wir sollten uns daran erinnern, dass wir alle liebenswert sind, genauso wie wir sind. Wir sind alle einzigartig und niemand ist besser, als jemand anderes. Du bist toll und du musst dafür nichts anderes tun, als einfach nur zu existieren!
Wenn wir aber herausgefunden haben, dass wir wütend sind, weil unsere Meinung nicht akzeptiert wird, oder weil wir einfach nicht Ernst genommen werden, dann sollten wir uns verteidigen. Egal was passiert ist, dass uns nicht passt, wir sollten immer zu unserer Meinung stehen und uns nicht herumschubsen lassen. Natürlich müssen wir das nicht unbedingt tun, indem wir schreien und die irgendwelche Dinge demolieren, wir können auch sachlich bleiben, denn dann lässt sich meistens noch schneller eine Lösung für das Problem finden. Wenn dir aber doch mal die Sicherung durchbrennt, dann mach dich nicht fertig. Wir sind alle Menschen und wir haben starke Emotionen und das ist toll! 
Wut ist dazu da, damit wir uns besser fühlen. Wut ist stark und wir fühlen uns mächtig und dynamisch, wenn wir sie ausdrücken. Und das ist auf jeden Fall besser, als sich hilflos und ohnmächtig zu fühlen. Wenn wir unsere Wut akzeptieren, sie analysieren und versuchen Lösungen zu finden, dann können wir sie bald hinter uns lassen und nach besseren Gefühlen streben. Je besser wir uns fühlen, desto schöner ist das Leben! Und deshalb hast du auch das Recht dazu, dich immer so gut zu fühlen, wie möglich.
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12 Comments

  • Reply Joni Bloggt

    Toll geschrieben

    26. Oktober 2016 at 8:43
  • Reply Katta

    WOw, sehr spannend!

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA || INSTAGRAM

    26. Oktober 2016 at 11:26
    • Reply Marina

      Vielen Dank 🙂
      Ganz liebe Grüße zurück
      Marina

      27. Oktober 2016 at 13:45
  • Reply Nina

    Sehr schöner Beitrag! Ich ertappe mich auch oft dabei, wie ich vor Wut einfach nur explodieren könnte..

    Nina von Pearlsheaven

    26. Oktober 2016 at 18:03
    • Reply Marina

      Danke dir 🙂 Ja, wenn man mal richtig in Fahrt ist, ist es echt manchmal echt schwer sich wieder zu beruhigen 😉
      Liebe Grüße
      Marina

      27. Oktober 2016 at 13:46
  • Reply Pepper

    Hi Marina

    Ich mag deine Sicht- und Schreibweise, obwohl ich dir nicht zu 100 % übereinstimme 🙂

    Du sagst, wenn wir von anderen verletzt werden, entfacht dies Wut bei uns, doch meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass wir selbst derjenige sind der sich verletzt.
    Das kommt daher, dass wir eine Erwartungshaltung gegenüber Menschen besitzen und je mehr diese Haltung von der tatsächlichen Aktion abweicht, desto stärker die ausgelöste Emotion. Dabei ist es an uns zu entscheiden, welche Art von Emotion wir erleben.
    Ohne Bewusstsein wird es nach dem Schema ablaufen: z.B. unerwartetes Geschenk-> Freude, Jemand drängelt sich vor -> Wut.
    Der andere Punkt ist, dass wir „unsere Meinung verteidigen müssen“. Auch hier habe ich andere Erfahrungen gemacht, denn warum musst du deine Meinung verteidigen ?
    ich behaupte: Für fremde Anerkennung.
    Die Frage ist doch, warum nehmen dich andere nicht Ernst ? Ich denke, weil du etwas ausstrahlst, was anderen das Gefühl gibt, dass Sie dich nicht ernst nehmen brauchen.
    Ich finde, es ist der richtige Weg sich nicht zu verteidigen !
    Weil, wenn du dich nicht verteidigst, dann nimmst du den „Angriff“ nicht als „Angriff“ wahr und der andere merkt a) dass er mit der Ansicht bei dir keine Chance hat, ( es gibt kein Energie-Feedback) und b) dass sich die Emotion nicht auf dich übertragen lässt und somit bei ihm selbst festsitzt.

    Der Kernsatz ist, dass du bereits wunderbar bist!.
    Dies musst du niemand beweisen, denn eine Rechtfertigung wäre eine unnötige Zeit- und Energiebelastung für dich und dem Empfänger 🙂

    Ich wünsche Dir noch einen klasse Mittwoch !

    7. Dezember 2016 at 11:22
  • Reply Marina

    Liebe Pepper,
    danke für diesen tollen ausführlichen Kommentar 🙂
    Dass wir diejenigen sind, die uns selber verletzten sehe ich auf jeden Fall auch so. Es kann uns gar niemand anderes verletzten, als wir selbst, weil nur wir entscheiden, ob wir es zulassen oder nicht. Trotzdem sind andere Menschen meist der Auslöser für unsere Wut. Und dass wir unsere Gefühle selber kontrollieren können, wissen die wenigsten,beziehungsweise machen sie kaum Gebrauch davon.
    Ich finde es aber auch nicht richtig, die Emotionen so weit zu kontrollieren, dass man sie verdrängt. Wenn dich etwas wütend macht, dann ist das erstmal so und das sollte man akzeptieren, das finde ich ganz wichtig. Denn alles andere ist keine Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
    Das mit der Erwartungshaltung finde ich auch einen sehr wichtigen Punkt, da hast du Recht. Das führt dann auch wieder darauf zurück, dass man an seinem Selbstwertgefühl arbeiten sollte, um von anderen nichts erwarten zu müssen, weil man es sich selber geben kann.
    Viele Menschen die sich mit Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität befassen unterdrücken ihre Emotionen einfach nur, aber setzten sich nicht mehr damit auseinander, was ja auch nicht gut ist. Und ich finde, dass manchmal die eigene Meinung zu verteidigen doch auch ein Zeichen der Selbstliebe sein kann. Wenn es um etwas geht, dass man ausdrücken will, etwas dass einen stört zum Beispiel, dann muss man seine eigene Meinung vertreten und dazu stehen, denn sonst ändert sich nie etwas.
    Alles andere hört sich immer nur in der Theorie richtig an, aber in bestimmten Situationen fühlt es sich falsch an, nicht zu reagieren.

    Ich finde es ist ein Unterschied, ob man sich wegen fremder Anerkennung oder aufgrund von Durchsetzung eigener Bedürfnisse verteidigt. Aber wie schon im Artikel geschrieben, man muss dies ja nicht durch streiten tun, sondern einfach den eigenen Standpunkt klar machen und sachlich bleiben.

    Wir sind alle bereits wunderbar, das stimmt. Die Frage ist nur, ob wir es selber auch wissen. Und manchmal finde ich, ist der beste Weg sich das selbst zu zeigen, seine Werte zu verteidigen und zu seinen Bedürfnissen zu stehen. Aber eben nur in bestimmten Situationen. Oft ist es natürlich auch besser, einfach gar nicht zu reagieren und alles nicht zu ernst zu nehmen. Aber da muss man eben auf sich selbst hören um zu entscheiden, was in welcher Situation am Besten ist 🙂

    Ich wünsche dir eine wunderbare Restwoche und sende dir ganz liebe Grüße
    Marina

    8. Dezember 2016 at 6:58
  • Reply absichtlich leben. - 5 Gründe, warum erfolgreiche Menschen meditieren | absichtlich leben.

    […] Agressionen, Wut und Frustration werden gemildert und das allgemeine Wohlbefinden dafür gestärkt. Wir lernen, das ständige „Zerdenken“ sein zu lassen und erfahren mehr innere Ruhe. Außerdem macht Meditation selbstbewusster und steigert das Selbstwertgefühl. Kein Wunder also, dass erfolgreiche Menschen meditieren, oder? 😉 […]

    1. Juli 2017 at 12:51
  • Reply Corinna

    Danke…
    🙂
    Ich finde Emotionen sind so out geworden,
    Jeder spielt nur noch ne Show…
    Ich ziehe echt, perfekt immer vor…

    Gut, ich muss dazu sagen ich bin adslerin u hab schon öfter Emotionalen Kontrollverlust…
    Sprich werde einfach schnell böse, wenn ich ungerechtigkeit sehe, erlebe…

    Irgendwann kam ich ins zweifeln u fragte mich, ob ich meine Offenheit, Emotionalität optimieren möchte -leichter hätte ich es sicherlich im Leben…

    Aber… Ich schaue heute Stolz und Zufrieden in den Spiegel, ich muss mich für nichts schämen…
    Zumindest nicht fürs wegschauen oder wegduchsen…

    Ich wäre nicht mehr ich…

    Meine beste Freundin beschrieb mivh vor vielen jahren so:

    Erst kommt der Blitz, dann kommt der Donner aber dann scheint ganz schnell wieder die Sonne…

    Natürlich weiß ich das es mir an selbstliebe fehlt, aber mein Weg war crass u ich bin schon soooo weit gekommen…
    Ich arbeite jeden Tag an mir, denn es soll mir immer besser gehn… Jeden Tag ein wenig mehr…

    Ich freue mich ganz besonders über deine Worte, das ist gerade mein Thema u du bringst es perfekt auf den Punkt, das hilft mir sehr den Blickwinkel zu ändern…

    Lieben Dank

    6. September 2017 at 0:04
  • Reply Marina

    Liebe Corinna,
    danke für deinen ehrlichen, offenen Kommentar. Ich finde es super, wie du damit umgehst. Du hast recht: Lass deine Emotionen raus und verdränge sie nicht. Sie gehören zu dir und das ist okay so. Bei dir weiß man dann wenigstens woran man ist. Lieber direkt sein, als alles mit sich selbst auszumachen und daran kaputt zu gehen.
    Es gibt kein perfekt, Echtheit ist was wirklich zählt! <3
    Gehe weiter deinen Weg.
    Viele liebe Grüße
    Marina

    12. September 2017 at 20:12
  • Reply absichtlich leben. - Die Emotionsskala - Das Geheimnis sich besser zu fühlen | absichtlich leben.

    […] Was deine Wut über dich verrät […]

    4. November 2017 at 8:01
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