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Leiden ist eine Entscheidung – Warum Schmerz nicht dein Feind ist

Es gibt Dinge im Leben, die einfach nur weh tun. Sei es eine zerbrochene Beziehung, der Tod eines geliebten Menschen, Enttäuschungen oder eine Chance, die man nicht genutzt hat. All das sind emotionale Schmerzen, welche uns meist noch mehr verletzen, als körperliche.

Wir alle gehen unterschiedlich mit Schmerz um. Manche tun alles dafür, um ihn nicht fühlen zu müssen. Sie lenken sich mit anderen Dingen ab, unternehmen viel, stürzen sich in die Arbeit, füllen ihren Terminkalender bis zum Platzen oder greifen zum Alkohol. Andere wiederum schotten sich ab und geben sich ihrer Trauer, Wut oder Enttäuschung vollkommen hin. Sie weinen, schreien und wollen einfach nur alleine sein.

Wir wollen Schmerzen vermeiden

Ganz egal, wie wir mit unseren Emotionen umgehen, wir alle haben eines gemeinsam: Wir mögen Schmerz nicht! Weder emotional noch physisch. Die meisten von uns wollen Schmerzen so gut es geht vermeiden. Niemand möchte depressiv sein, niemand möchte das Gefühl haben, vor Schmerz und Trauer wie gelähmt zu sein. Niemand möchte leiden. Und deshalb haben wir den Schmerz zu unserem Feind erklärt. Wir tun alles dafür, ihm aus dem Weg zu gehen.

Das alles ist ja vollkommen verständlich, denn es ist unser Überlebensinstinkt, der uns vor Schmerz beschützen will. Trotzdem sind Schmerzen ein Teil des Lebens und das hat auch seinen Grund. Wenn wir Schmerzen vermeiden, indem wir Tabletten nehmen, um uns zu betäuben, das tun, was andere sagen, uns anpassen und dem Strom folgen, dann vermeiden wir damit nicht nur den Schmerz, sondern oft auch ein besseres Leben. Durch die Angst vor dem Schmerz bleiben wir in unserer Komfort-Zone und trauen uns nicht, neue Wege zu gehen.

Schmerzen zeigen uns, dass wir am Leben sind

Wir haben Angst davor, verletzt zu werden. Wir sehen Schmerzen als böse, schlecht und falsch und fühlen uns oft wie Versager, wenn wir leiden. Klar, Schmerz fühlt sich nicht gut an, das ist wohl wahr. Aber er zeigt uns auch, dass wir am Leben sind. Schmerzen zerstören die Taubheit, die wir manchmal fühlen. Sie machen uns lebendig, weil sie uns dazu zwingen, das Hier und Jetzt zu fühlen. Sie zwingen uns zur Achtsamkeit.

Außerdem bringen Schmerzen uns oft dazu, etwas in unserem Leben zu ändern. Wenn wir Freunde haben, die uns ständig emotionale Schmerzen zufügen, dann werden wir uns irgendwann von diesen Freunden trennen. Wenn wir einen Job haben, der uns nicht gefällt und wir deswegen leiden, dann werden wir ihn irgendwann kündigen, wenn das Leiden zu groß wird.

Schmerzen haben uns immer etwas zu sagen

Schmerz weckt uns auf. Und er ist ein guter Lehrer. Manche Menschen brauchen den Schmerz, um sich endlich mit sich selber auseinanderzusetzen. Schmerz verlangt nach Aufmerksamkeit und bringt uns oft dazu, uns selbst diese Aufmerksamkeit endlich zu geben. Auch unser Mitgefühl entsteht dadurch, dass wir selber wissen, wie es sich anfühlt, zu leiden. Außerdem macht Schmerz uns reifer und weiser, denn in schweren Zeiten machen wir die größten persönlichen Entwicklungen.

Was wäre Freude wert, wenn du noch nie in deinem Leben gelitten hättest? Wir brauchen Kontraste, um Dinge zu schätzen. Wir brauchen beide Seiten, Licht und Schatten, Sonne und Regen. So funktioniert das Leben und es gibt keinen Grund, sich dagegen zu wehren. Es wäre sowieso zwecklos.

Schmerz verändert uns

Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, dann gibt es dort viele Abschnitte, in denen es mir nicht gut ging und ich emotionale Schmerzen erleiden musste. Trotzdem würde ich im Nachhinein betrachtet keines der Ereignisse, die den Schmerz hervorgerufen haben, ändern. Denn wären diese Dinge nicht passiert, dann wäre ich heute nicht der Mensch, der ich bin. Hätte ich in meinem Leben nie gelitten, dann hätte ich nie den Drang dazu gehabt, mehr aus meinem Leben machen zu wollen. Ich hätte einfach irgendwie vor mich hingelebt. Hätte keine Ahnung, wer ich überhaupt wirklich bin.

Schmerz ist also keineswegs unser Feind. Er ist vielmehr unser Freund, ein Begleiter auf unserem Weg, vor dem wir keine Angst zu haben brauchen. Er lehrt uns Dinge, die wir anders nie gelernt hätten, zeigt uns Seiten von uns, die wir anders niemals entdeckt hätten, bringt uns an unsere Grenzen und darüber hinaus. Schmerz ist nichts weiter, als ein Anstoß, ein Weckruf. Es liegt an uns, wie wir ihn betrachten. Wir können uns dazu entscheiden, unter ihm zu leiden, denn Leiden ist meist leichter, als Handeln. Oder aber, wir sehen ihn als Ansporn, als Chance, als Anfang von etwas Neuem. Und dann merken wir bald, dass Leiden nur eine Option ist. 

„Schmerz ist unvermeidbar. Leiden ist optional.“ – Buddha

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4 Comments

  • Reply Edi

    Ein sehr wichtiger und weiser Artikel! Ein Thema, das nicht viele Leute ansprechen, da Schmerzen lieber verdrängt werden. Einfach toll geschrieben und auf den Punkt gebracht!

    26. März 2017 at 17:34
    • Reply Marina

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! <3
      Das freut mich wirklich sehr. 🙂
      Liebe Grüße
      Marina

      27. März 2017 at 19:17
  • Reply Romina Capuccini

    Marinchen du bist die beste 😉
    Perfekt geschrieben und erleuchtend!

    10. April 2017 at 22:30
    • Reply Marina

      Ohhhh Dankeschön 🙂
      Das freut mich sehr <3

      18. April 2017 at 20:29

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