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Das Worst-Case-Szenario: Wenn deine Fantasie dir das Leben schwer macht

Ich werfe einen Blick auf die Uhr. Mist – in 10 Minuten sollte ich beim Meeting sein und ich stehe immer noch im Stau. Hoffentlich nehmen sie es mir nicht übel, wenn ich zu spät komme. Und was, wenn doch? Vielleicht warten sie gar nicht auf mich, sondern fangen ohne mich an. Vielleicht schließen sie die Türe ab, so dass ich gar nicht mehr rein komme. Mein Chef hasst doch Unpünktlichkeit so sehr. Vielleicht fängt er jetzt schon an, über mich zu schimpfen. Die anderen steigen da bestimmt sofort darauf ein. Sabine mochte mich doch eh noch nie.

Vielleicht kann sie jetzt auch meine anderen Kollegen von ihrer Meinung über mich überzeugen. Bestimmt trinken sie gerade alle ihren Kaffee und ziehen über meine Unzuverlässigkeit her. Vielleicht finden sie dabei noch andere Schwächen, die ich habe. Vielleicht denkt mein Chef dann darüber nach, dass er mich eventuell ersetzten sollte. Vielleicht kündigt er mich ja auch sofort. Vielleicht bekomme ich jetzt gleich meine Kündigung vorgesetzt, sobald ich ankomme. Was mache ich denn dann? Ich wäre komplett auf das Gehalt meines Mannes angewiesen. Wir könnten uns vieles nicht mehr leisten. Der Urlaub mit den Kindern würde dieses Jahr ausfallen. Meine Kinder würden mich dafür hassen. Ich würde arbeitslos daheim hocken und mich gehen lassen. Mein Mann würde sich dann sicher eine jüngere, erfolgreichere, hübschere Frau suchen und mit ihr durchbrennen. Ich werde einsam und alleine sterben.

10 Minuten später komme ich auf die Minute pünktlich in der Arbeit an.


„Guten Morgen, Frau Sorge! Schön, dass sie da sind. Setzen Sie sich doch schonmal. Das Meeting verzögert sich etwas, da ein paar Kollegen noch im Stau stehen. Der Verkehr ist heute aber auch furchtbar. Möchten Sie einen Kaffee?“

Was ist das Worst-Case-Szenario?

Vielleicht habe ich die Gedankenspirale von Frau Sorge absichtlich ein bisschen übertrieben dargestellt, aber die Wahrheit ist doch, dass wir uns alle irgendwie damit identifizieren können. Manche mehr, manche weniger, aber wir alle denken uns immer wieder „Worst-Case-Szenarios“ aus. Das heißt, wir stellen uns vor, wie schlimm eine Situation verlaufen, oder enden könnte. Wir benutzen unsere ganze Fantasie dafür, malen uns alles bis ins kleinste Detail aus und manchmal können wir uns so darin verstricken, dass wir davon überzeugt sind, dass es wirklich passieren wird.

Das machen wir auch bei kleinen Dingen und meistens ist es uns nicht einmal bewusst. Wir haben eine kleine Erkältung und in unserem Kopf haben wir bereits eine Lungenentzündung. Das Flugzeug hat Turbulenzen und wir sehen uns schon am Grund des Ozeans. Wir sagen in einer Situation etwas unpassendes und schon haben wir in Gedanken alle unsere Freunde verloren. Wir machen einen kleinen Fehler und in unserem Kopf wurden wir bereits gekündigt. Wir haben das Fenster offen gelassen und unsere Vorstellung zeigt uns, dass der ganze Boden vom Regen überschwemmt wurde. Jemand möchte gerne mit uns unter vier Augen sprechen und schon läuft in unserem Kopf ein Film ab, über alle möglichen schlechten Nachrichten, die uns diese Person mitteilen könnte. Unsere Freundin ruft nicht zurück und wir nehmen an, dass ihr etwas schlimmes passiert sein muss.

Manchmal geht die Fantasie wirklich komplett mit uns durch und das Ganze wird schon fast lächerlich, aber irgendwie fällt uns das gar nicht so auf. Das Problem ist, dass unser Unterbewusstsein nicht zwischen Realität und Gedanken unterscheiden kann. (Darüber habe ich bereits in diesem Post geschrieben.) Deshalb erzeugt das Katastrophendenken eine Menge Stress in unserem Körper, welcher absolut nicht gut für uns ist. Außerdem hält es uns oft davon ab, bestimmte Dinge zu tun, oder etwas zu wagen. Gleichzeitig macht es unser Selbstwertgefühl runter und natürlich versaut es uns damit auch die Laune, wir fühlen uns schlecht. Und dadurch ziehen wir immer mehr Schlechtes an. Außerdem könnten wir unsere Fantasie für so viel Besseres verwenden. 


Was können wir dagegen tun?

Auch wenn es uns manchmal so vorkommt, als würden unsere Gedanken machen was sie wollen, sind trotzdem wir diejenigen, die hinterm Steuer sitzen. Und deshalb können wir uns das Katastrophendenken auch abgewöhnen. Das ist nicht ganz so leicht, denn die Meisten von uns denken schon ihr ganzes Leben so. Aber das macht nichts, wir können uns immer ändern, dafür ist es nie zu spät. Hier habe ich ein paar Tipps, die mir dabei geholfen haben, mein Katastrophendenken ein bisschen einzudämmen. Natürlich erwische ich mich auch immer mal wieder dabei, aber es ist jetz schon ein ganzes Stückchen besser geworden und mir geht es super damit.


Gedanken bewusst machen

Wenn wir in unserer Gedankenspirale sind, dann ist uns das oft überhaupt nicht bewusst. Wir denken ganz automatisch, aber denken nicht darüber nach, dass wir denken. Wenn ihr versteht, was ich meine 🙂 Und genau das ist aber das Problem. Denn so können unsere Gedanken machen, was sie wollen. Wenn wir aber darauf achten und uns bewusst wird, was wir da gerade in unseren Gedanken mit uns anstellen, dann läuft das Ganze schon mal viel kontrollierter ab. Manchmal verwerfen wir den Gedanken dann auch ganz automatisch. 

Lächerlich machen

Wenn uns unser Katastrophendenken bewusst geworden ist, dann sehen wir manchmal sofort, wie lächerlich es eigentlich ist. In manchen Situationen finden wir unsere Gedanken aber vielleicht trotzdem berechtigt. Dann hilft es oft, die Gedankenspirale ins Lächerliche zu ziehen. Wir können die Situation in unserem Kopf so sehr übertreiben, bis wir selber darüber lachen müssen. Und dann sehen wir unsere Gedanken auf einmal nicht mehr so ernst und glauben ihnen auch nicht mehr.

Fragen stellen

Manchmal finde ich es auch sehr hilfreich, die Situation nüchtern zu betrachten und sich ein paar Fragen zu stellen. Bevor wir die wildesten Theorien aufstellen, sollten wir einfach mal die Fakten ansehen. Gibt es Beweise für oder gegen diesen Gedanken? Oder denke ich das nur aus Gewohnheit? Was wäre denn eine realistischere Möglichkeit für diesen Gedanken?

Annehmen

Was auch immer passieren wird, passiert aus einem Grund und wir können es nicht kontrollieren. Das ist auch gut so und das sollten wir akzeptieren. Deshalb bringt es nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen und sich Geschichten auszumalen. Damit machen wir uns nur das Leben schwer. Meistens kommt es nämlich sowieso ganz anders, als wir es uns vorgestellt haben. 

Und auch wenn letzten Endes wirklich etwas schlimmes passiert, dann sollen wir wahrscheinlich aus dieser Situation etwas lernen. Oder uns eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten, die wir vorher nie gesehen haben. Wir wissen es nicht und wir brauchen es jetzt auch noch nicht zu wissen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf fällt es uns viel leichter, der negativen Gedankenspirale zu entkommen.


Habt ihr vielleicht noch andere Tipps, oder Erfahrungen, die ihr gerne teilen wollt? Dann lasst es mich in den Kommentaren wissen 🙂 

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2 Comments

  • Reply Kata

    Hey Marina, das kenne ich total gut! Habe mir noch nie wirklich darüber Gedanken gemacht, was ich mir damit eigentlich antue, wenn ich immer nur vom Schlimmsten ausgehe. Aber das ist echt nicht so leicht, das zu ändern. Mein Kopf macht das ganz automatisch und oft merke ich es überhaupt nicht. Aber ich werde deine Tipps mal ausprobieren und dir berichten, ob es funktioniert hat 🙂

    8. September 2016 at 10:29
    • Reply Marina

      Hallo Kata,
      ich bin auch noch alles andere als perfekt was das angeht. Aber das Wichtigste ist, finde ich, dass man sich darüber bewusst ist und der Kopf nicht einfach den ganzen Tag über auf Autopilot läuft. 🙂 Und wenn man die ersten Veränderungen merkt dann gibt einem das so viel Motivation, dass man einfach dran bleibt. Und dann läuft das irgendwann bestimmt ganz von alleine.

      9. September 2016 at 15:31

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